EINE JUNGE BERGSTEIGERGESCHICHTE

Die frühe Bergsteigergeschichte in Grönland ist eng mit wissenschaftlichen Entdeckungen verbunden und viele der Erstbesteigungen wurden vorgenommen, um Topographie und Geologie voranzutreiben.

Klettern als Sport startete hier vergleichsweise spät, da Grönland bis in die 1950er dänisches Protektorat mit eingeschränktem Zugang war. Erst später erhielten Bergsteiger Zutritt, die vor allem aus England, Frankreich, Italien und Dänemark kamen.

„Grönland ist einfach wunderschön, besonders wenn man aus den Orten raus in die Berge geht. Es ist faszinierend. Ich bin nun zum siebten Mal zurückgekehrt - eine echte Liebesgeschichte!”

SECHS ZIELGEBIETE FÜRS BERGSTEIGEN IN GRÖNLAND

 

Staunings Alpen

Im nordgrönländischen Nationalpark gelegen, nahe der Landebahnen von Mestersvig und Constable Pynt. Viele markante Gipfel in fast 3000 Metern Höhe. Für diese Gegend benötigt man eine Expeditionsgenehmigung.

Hinter der unzugänglichen Blosseville-Küste gelegen, ist das Gebirge nur mit dem Flieger von Island aus zu erreichen.

Watkins Gebirge

Die höchsten Berge Grönlands, unter denen der Gunnbjørns Fjeld die Pole Position einnimmt. Hinter der unzugänglichen Blosseville-Küste gelegen, ist das Gebirge nur mit dem Flieger von Island aus zu erreichen. Eine der am häufigsten besuchten Bergregionen in Grönland. Expeditionsgenehmigung notwendig.

Schweizer Land

Eine vielseitige und vielbesuchte Kletterregion, nicht zuletzt wegen der verhältnismäßig geringen Entfernung vom Flughafen in Kulusuk und der Stadt Tasiilaq. In 150 km Entfernung zu Tasiilaq gelegen, benötigt es hier keine Expeditionsgenehmigung. Unzählige Gipfel und Felswände sind zugänglich.

In 150 km Entfernung zu Tasiilaq gelegen, benötigt es hier keine Expeditionsgenehmigung.

Kap Farvel / Tasermiut-Fjord

Wer gutes Granitgestein und feste Klippen sucht, für den stellen Südgrönlands Fjorde aufregende und zugängliche Klettermöglichkeiten dar. Mit guter Planung sind sie innerhalb eines Tages von Europa aus zu erreichen. Seit den Anfängen des Bergsteigens hier in den 1970ern sehr beliebt und doch finden sich noch viele jungfräuliche Gipfel.

Die bekanntesten Berge sind der Ketil und der Ulamertorssuaq (Der große Zylinder). Nächste Stadt ist Nanortalik, von der aus man einen Bootstransfer in den Fjord organisieren kann.

Wer gutes Granitgestein und feste Klippen sucht, für den stellen Südgrönlands Fjorde aufregende und zugängliche Klettermöglichkeiten dar.

Viele Besucher kommen auch fürs Heliskiing und Skibergsteigen.

Ewigkeitsfjord

Ein klassisches Bergsteigerziel nahe der Stadt Maniitsoq, das schon in den 1960ern bei dänischen Bergsteigern ausgesprochen populär war. Viele Besucher kommen auch fürs Skibergsteigen und Heliskiing hierher.

Hier gibt es lose und eher abschreckende Klippen aber auch bombenfestes Granit!

Uummannaq-Bucht

Wieder eine klassische Bergsteigerregion, die in den letzten Jahren von den fleißigsten Klippensteigern der Welt „wiederentdeckt” wurde, die mit Boot in den fjordreichen und schönen Umgebungen zwischen der Nuussuaq-Halbinsel und der Stadt Upernavik unterwegs sind. Hier gibt es lose und eher abschreckende Klippen aber auch bombenfestes Granit, z.B. nah bei Upernavik und an einem von Grönlands meistfotografierten Bergen, dem herzförmigen Berg über Uummannaq.

GENEHMIGUNGEN, ABSICHERUNGEN UND RETTUNG

Die grönländische Regierung / Naalakkersuisut verlangt für alle Reisen ins Inlandeis, in den nordgrönländischen Nationalpark und viele Gebiete Ostgrönlands eine Expeditionsgenehmigung.

Davon nicht betroffen sind die ostgrönländischen Regionen rund um Ittoqqortoormiit / Scoresbysund und Tasiilaq (die jeweils vielseitige und anspruchsvolle Klettertouren ermöglichen) und ganz Westgrönland.

Sehen Sie diese Gebiete auf der Karte

Lesen Sie sich hier die Zulassungsvoraussetzungen für eine Genehmigung 

Ungeachtet davon, ob man eine Genehmigung für eine zugangsbeschränkte Region erhalten hat oder in Westgrönland auf Klettertour ist, sollte man sich einer Tatsache bewusst sein: In Grönland gibt es keine Bergrettung! Air Greenland hat zwar einige Helikopter verfügbar, doch ist keiner davon für eine Rettung am Berghang ausgestattet.

Deshalb benötigt jeder Bergsteiger Erfahrung bei der Selbstrettung und fortgeschrittene Erste-Hilfe-Kenntnisse. Es ist wichtig, einen Orts- und Zeitplan der Route bei der örtlichen Polizei zu hinterlegen und im Besitz eines Notsenders oder Satellitentelefons zu sein.

„Wir hatten von Bergtouren bei Tasiilaq gelesen, weshalb wir nach Grönland gefahren sind! Auf einem Gipfel zu stehen, den noch kein Mensch vor uns bestiegen hat und diesen Blick rundherum zu haben, ist ein ziemlich aufregendes Erlebnis! Egal, wie oft ich das nun getan habe, es lohnt sich immer wieder!”

Starker Wind kann immer und sehr plötzlich auftreten. Besonders der südgrönländische „Süd-Ost”

WETTER

Obwohl die größte Insel der Welt vom 60. bis zum 84. nördlichen Breitengrad reicht, sind die Sommer an der Küste entlang doch ziemlich ähnlich. Im Juli kann man auf Meereshöhe mit Temperaturen von 8 bis 10 Grad (und auch mehr) rechnen, die sich in der trockenen, klaren Luft dann wärmer anfühlen können.

Grönlands Klima wird in großem Maße von einem stabilen Hochdruck über dem Inlandeis geprägt, der den aus dem arktischen Kanada und aus Island kommenden Tiefdruck wegschiebt. Dadurch ist das Sommerwetter dicht beim Inlandeis und tief in den Fjorden meistens stabil und warm, während es am Küstenrand kühler und feuchter ist. Tiefdruckgebiete und Regen sind häufiger, desto weiter gen Süden man sich bewegt.

Starker Wind kann immer und sehr plötzlich auftreten. Besonders der südgrönländische „Süd-Ost”, ein Föhnwind aus dem Eis, kann für Bergsteiger zu einer überraschenden Herausforderung werden.

Der Polarkreis verläuft zwischen Kangerlussuaq im Westen und Tasiilaq an der Ostküste. Mit Ausnahme der beliebten Klettertouren in Südgrönland haben Bergsteiger im Sommer 24 Stunden Sonne dank der Mitternachtssonne über Grönland nördlich des Polarkreises.

Der Transport schwerer Ausrüstung sollte langfristig geplant und organisiert werden.

AUSRÜSTUNG UND PROVIANT

Ausrüstung und Spezialproviant müssen aus der Heimat mitgebracht werden. Dafür kann man Basisproviant, Fleisch, Gemüse und Brennstoff auch in den kleinsten Orten die Küste entlang kaufen. Schwere Ausrüstung kann mit dem Schiff transportiert werden. Sie sollten dabei mindestens einen Monat für den Transport von Dänemark in die nächste größere Stadt in Grönland einplanen.

Es gibt keinen offiziellen Routenführer für Klettertouren in Grönland!

INFORMATIONEN ZUM BERGSTEIGEN

Es gibt keinen offiziellen Routenführer für Klettertouren in Grönland! Dies macht die Planung etwas beschwerlicher. Gleichzeitig kann sich aber jeder Bergsteiger wie ein Entdecker fühlen, wenn er den Gipfel seiner Wahl erstmals bezwungen hat.

Allerdings gibt es einige internationale Fachmagazine, die regelmäßig über neue Routen berichten, wie z.B. Climb's Mountain und American Alpine Journal.

Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis für Freunde moderner Klettertechniken: In Grönland wird nicht mit Bohrhaken geklettert; es gibt keine Hänge fürs Sportklettern und keine direkt bei den Städten verlaufenden Routen. Grönland eignet sich ausschließlich als Zielgebiet für traditionelle Bergsteiger. Nahezu alle Gegenden lassen sich nur in Form einer Bergsteigerexpedition erschließen.