Grönlands Eigenart

Manche Urlaubsziele ködern mit aktiven Vulkanen oder Korallenriffs. Grönland dagegen ist für sein ganz eigenes Naturphänomen berühmt – das grönländische Inlandeis. Diese von Küste zu Küste verlaufende Eiskappe hat fast im Alleingang die Wahrnehmung unseres Landes in der Welt geformt. Für die vielen Bevölkerungsgruppen, die über Jahrtausende in Grönland gelebt haben, hat es das Leben geprägt.

In der Vergangenheit wurde das Inlandeis größtenteils als unpassierbar angesehen. Stattdessen gingen die Grönländer lieber aufs Meereis, um an die Nahrung im Wasser darunter zu gelangen. Heute ermöglichen es Flugzeuge, Boote und vor allem die große Wanderlust, dass das grönländische Inlandeis unter Reisenden ein nachgefragter Ort für speziell arktische Abenteuer geworden ist.

„Ich habe schon viele Gletscher gesehen, z.B. im Himalaya-Gebirge. Doch dies hier ist eine ganz andere Welt! Gewaltig und mit ganz anderen Ausblicken!”

„Ich mag das Gefühl, an einem Ort zu sein, der schon Millionen Jahre alt ist. Das schafft für mich eine besondere Verbundenheit mit der Erde. Es ist ein gutes Gefühl, an einem Ort zu sein, wo sich nichts verändert. Und sich selbst klein zu fühlen, weil alles so groß ist! Das ist ein schönes Gefühl!”

UNERWARTETES TERRAIN

Beim Blick auf die Landkarte sieht die weiße Insel wie unerforschtes Terrain aus. Auch beim Flug über Grönland wirkt das Inlandeis noch wie eine riesige und undefinierte Masse. Doch tatsächlich lassen sich hier viele Geheimnisse entdecken, wenn man nur etwas genauer hinschaut.

Aus nächster Nähe enthüllt das grönländische Inlandeis eine Palette aus blauen und grünen Farbtönen und wird als gezackte Stauung jahrhundertealter Eisschichten sichtbar. Seine tiefen Risse erscheinen wie eingefrorene Meereswellen, die im Sommer erwachen und zu schnell fließenden Gletscherflüssen werden. Nicht zwei Abschnitte des Inlandeises gleichen einander, weshalb es sich lohnt, die eisige Wildnis weitläufig zu erkunden.

DIE STRASSE ZUM INLANDEIS

Das grönländische Inlandeis ist von den meisten Städten Grönlands aus sichtbar, doch der Blick aus der Ferne reicht vielen Besuchern naturgemäß nicht aus. Kangerlussuaq ist stolz darauf, die einzige Straße ins grönländische Inlandeis zu besitzen. Auch wenn es am Ende etwas holperig wird, führt Sie der Weg tatsächlich bis an die Eiskante. Auf sicherem Boden zu stehen, der doch aus sich ständig bewegenden Eisschichten besteht, wird Ihre Begeisterung für die Arktis noch einmal steigern.

  • 80% von Grönlands Landfläche (über 1.7 Mio. km2) ist vom grönländischen Inlandeis bedeckt. Es ist eine von nur zwei Eiskappen weltweit. Schon seit 18 Millionen Jahren ist Grönland von Eiskappen bedeckt.
  • Aktuell wird das grönländische Inlandeis bis zu 3 km dick. Die heute bestehende Eisschicht ist über 100 000 Jahre alt.  
  • Das Inlandeis ist von Städten in allen Regionen Grönlands aus erreichbar. Sie können die Eiskappe bei einem Rundflug in einem Helikopter von Air Greenland oder einem kleinen Flugzeug von Air Zafari betrachten, hierher wandern oder am Fuße des Gletschers campen und mit dem Hundeschlitten fahren.
  • Von Kangerlussuaq aus führt ein 25 km langer Feldweg direkt ans Inlandeis heran und bietet unterwegs zahlreiche Aussichten auf Gletscherzungen und die Eiskappe selbst.
  • Der Russell-Gletscher in Kangerlussuaq und die Gletscher Eqip Sermia und Sermeq Kujalleq in Ilulissat eignen sich perfekt, um den Prozess des Gletscherkalbens zu beobachten.
  • Wer den Willen und vor allem die außergewöhnlich gute physische Kondition mitbringt, kann mit einer Genehmigung der Regierung eine Expedition ins Inlandeis durchführen.

ANDERE PERSPEKTIVEN

Wussten Sie, dass Sie das grönländische Inlandeis auch vom Wasser aus erreichen können? Bootstouren führen in tief sich ins Inland schlängelnde Fjorde. Die Eisberge hier waren einst Teil der Eiskappe und führen Sie direkt zu den Gletschern, die eine lebendige Brücke zwischen Inlandeis und Meer formen. Der Ilulissat-Eisfjord bietet die größte Kollektion schwimmender Skulpturen aus dem Inlandeis, doch auch andere Städte wie Nuuk und Uummannaq haben ihre eigene Version eines Eisfjordes, der vom Meer aus entdeckt werden kann.

Nachdem Sie das Inlandeis aus nächster Nähe betrachtet haben, sollten Sie sich diesen Eiskoloss noch einmal aus der Vogelperspektive ansehen. Ein Helikopter oder kleines Flugzeug bringt Sie hoch genug, dass Sie hunderte Kilometer weit über das Inlandeis schauen können und tief genug, um die Risse und Krater als Beweis für die Bewegung des Eises zu sehen. Bei diesen zahlreichen Möglichkeiten ist eine Tour zum Inlandeis leicht zu organisieren. Hart wird es erst, wenn Sie es wieder verlassen müssen!