Von Tätowierungen zu Kunstinstallationen

Die Kunst in Grönland hat historisch gesehen einen Wandel von den traditionellen Ausschmückungen aus der Fängerkultur auf der Haut, der Kleidung und der Ausrüstung bis hin zur modernen Kunst von heute vollzogen.

Diese Entwicklung vollzieht sich parallel zu Entwicklungen innerhalb der grönländischen Gesellschaft. Zu Anfang hatte man in Grönland keinen eigentlichen Kunstbegriff. Die künstlerische Entfaltung als Selbstzweck setzte mit der Ankunft der Europäer im 18. Jahrhundert ein und entwickelte sich rasant.

Erst jetzt begannen reine Gemäldekünstler mit ihren Arbeiten. Sie erschufen Werke, die nicht nur als Teil einer größeren Funktion oder als Dekoration aufzufassen waren.   

Zu Anfang hatte man in Grönland keinen eigentlichen Kunstbegriff.

Kunst als historische Quelle

Historische Zeugnisse

Zunächst sehen wir kleine Aquarelle, Zeichnungen und Figuren, die von Grönländern erschaffen wurden. Künstler wie Aron von Kangeq (1822-1869) und der Holzschnitzer Johannes Kreutzmann (1862-1940) sind hierbei von Bedeutung

Ihre Werke sind nicht nur künstlerisch interessant. Aron von Kangeqs kleine detaillierte Beschreibungen von Orten und Ereignissen im damaligen Grönland, die in der Regel mit dem Bleistift und mit Aquarellfarben erstellt wurden, sind beispielsweise wichtige historische Quellen, die zum Verständnis der Vergangenheit beitragen.

 

Der Künstler Hans Lynge

Durch den Künstler Hans Lynge (1906-1988), dessen Formsprache an den europäischen Impressionismus erinnerte, hat sich die Kunst in Grönland als eine selbstständige Sprache etabliert.

Eine Sprache, die auch der jüngere Jens Rosing (1925-2008) in seinen zahlreichen Tier- und Naturschilderungen verfeinerte. Die nachfolgenden Künstlergenerationen erwähnen auch gerne diese zwei Vorreiter, wenn sie Künstler nennen sollen, die sie inspiriert haben.

Durch die Arbeiten von Hans Lynge hat sich die Kunst in Grönland als eine selbstständige Sprache etabliert.

Kunst und Politik

In den politisch aufgeladenen 1970ern, in denen die Einführung der Selbstverwaltung 1979 der politische Höhepunkt war, wurde der Kunst eine neue Rolle zugeschrieben. Sie wird seitdem unter anderem genutzt um der Außenwelt ein besonderes grönländisches Profil zu zeigen.

Das Recht auf die Territorien in der Arktis wurde in der Regel durch eine natürliche Zugehörigkeit zu diesem Gebiet, dem Meer und dem Himmel begründet. Deshalb verwundert es auch nicht, dass ein großer Teil der zeitgenössischen grönländischen Kunst das Verhältnis zwischen Mensch und Natur thematisiert.

Künstlerinnen wie Aka Høegh (*1947) und Anne-Birthe Hove (1954-2012) sind und waren Vertreter dieser Bewegung.  

Das Recht auf die Territorien in der Arktis wurde in der Regel durch eine natürliche Zugehörigkeit zu diesem Gebiet, dem Meer und dem Himmel begründet.

Ein etwas anderer Künstlertyp ist die Performancekünstlerin Jessie Kleemann (*1959).

Verschiedene Ästhetiken

Anne-Birthe Hoves Werke enthalten deutliche politische Elemente, während Aka Høegh Ästhetik hauptsächlich die Natur und Motive aus den Mythen verarbeitet.

Ein etwas anderer Künstlertyp ist die Performancekünstlerin Jessie Kleemann (*1959). In ihren Werken umkreist sie den "Qivittok", den Einsiedler, und thematisiert Phänomen und Zustand des Entwicklungsprozess, in dem sich die grönländische Fängergesellschaft noch immer befindet.

Ausdrucksvolle Kunst

Heute, im selbstverwalteten Grönland, sind wieder neue Gesichter dazugestoßen, unter anderem Julie Edel Hardenberg (*1971), Miki Jakobsen (*1965), Inuk Silis Høegh (*1972), Bolatta Silis-Høegh (*1981), Angu Motzfeldt (*1976), Gukki Willsen Møller (*1965) und Nanna Ánike Nikolajsen (*1981).

Dies sind junge Künstler, die Werke erschaffen, die sich oft von dem unterscheiden, das wir normalerweise aus der grönländischen Motivwelt erwarten.

Sie orientieren sich verstärkt an den Strömungen, die wir aus der internationalen Kunstwelt kennen.

Grönländische Künstler und internationale Strömungen

Mit den grönländischen Identitäten spielen...

Grönländische Identität

Dies bedeutet aber nicht, dass sie die Verbindung zu Grönland oder zu ihrem kulturellen Hintergrund verlieren, ganz im Gegenteil.

Sie möchten etwas Universelleres zum Ausdruck bringen, sich aber auch mit Grönland auseinandersetzen. Die neuen Künstler spielen mit festgefahrenen Vorstellungen von Geschichte, Kultur und Identität, die es auch in Grönland über Grönland gibt.

Sie entwickeln und sprengen diese und zeigen uns gerade dadurch Grönlands großartige Vielfalt!