„Es waren einmal ein Mann und eine Frau, die nach jeder Geburt sofort ihr Kind verloren.“

Die Sage vom Waisenkind

"Es waren einmal ein Mann und eine Frau, die nach jeder Geburt sofort ihr Kind verloren. Eines Tages bekamen sie endlich einen kleinen Jungen, der überlebte. Sie nannten ihn Kaassassuk. Sie liebten den kleinen Jungen sehr und freuten sich sehr darüber, dass er nicht wie alle anderen Kinder verstorben war. Wie das Schicksal es wollte, erkrankten beide Eltern während dieser freudigen Zeit plötzlich und verstarben kurz nacheinander."

Von der Gemeinschaft ausgeschlossen

"Es dauerte nicht lange, bis das Waisenkind in der Siedlung Probleme verursachte. Es wurde deshalb von der Gemeinschaft ausgeschlossen und schlief von da an zwischen den Hunden oder in einem engen Hausflur.

Es wurde nur selten in die Häuser gelassen, und wenn, bekam es zähe Walrosshaut vorgesetzt. Wenn es versuchte, seine Stiefel innen zu trocknen oder sich am Lüftungsloch in der Decke wärmte, wurde es oft zur Strafe an den Nasenlöchern hochgehoben. Deshalb bekam es mit der Zeit sehr große Nasenlöcher."

„Deshalb bekam es mit der Zeit sehr große Nasenlöcher.

Der Riese kam, als er Kaassassuk weinen hörte. Von da an waren sie Freunde.

Kräfte von den Hilfsgeistern

"So verfing eine lange Zeit, bis der kleine Kaassassuk mit den großen Nasenlöchern eines Tages anfing, über Land zu wandern. Während einer seiner Wanderungen begegnete er einem Riesen, der seinen Fang zerfleischte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Waise bereits Hilfsgeister an seiner Seite, die ihm dabei behilflich waren, den Brocken Fleisch, den der Riese ihm zuwarf, zu vergrößern. Er aß, bis er nicht mehr konnte und versteckte den Rest in einem Hünengrab. Als er ihn während einer Wanderung wieder herausholen wollte, konnte er ihn nicht finden. Der Riese kam, als er Kaassassuk weinen hörte. Von da an waren sie Freunde."

Kaassassuks Rückkehr

"Der Riese verlieh Kaassassuk Kräfte um die großen Steine zu verschieben, und bald sah der Riese, dass sie gleich stark geworden waren. Kaassassuk kehrte in die Siedlung zurück, und er wurde weiterhin gezüchtigt und ausgestoßen. Er verriet niemandem etwas von seinen enormen Kräften, bis eines Tages drei Bären auf dem Eis gesichtet wurden..."

„...und bald sah der Riese, dass sie gleich stark geworden waren.

Was danach mit Kaassassuk geschah, können Sie in den grönländischen Mythen und Sagen nachlesen...

Lesen Sie weitere grönländische Sagen

Was danach mit Kaassassuk geschah, können Sie in den grönländischen Mythen und Sagen nachlesen - oder vielleicht während Ihres nächsten Besuches in Grönland erzählt bekommen. Dieser Auszug aus der Sage von Kaassassuk wurde von Arnarulunnguaq erzählt, dem Knud Rasmussen während einer seiner Schlittenreisen zu den Inuit in Kanada und Grönland begegnete.

Die Kaassassuk-Skulptur in Nuuk

Vor den Gebäuden der grönländischen Selbstverwaltung in Nuuk befindet sich eine große Skulptur von Kaassassuk, und es ist zu einer Tradition geworden, dass frisch gebackene Abiturienten um die Skulptur herumtanzen. Die Figur ist zu einem Symbol dafür geworden, dass man, obwohl man alleine ist, das erreichen kann, was man möchte. Doch sollte man darauf achten, dass einem die eigenen Fähigkeiten nicht zu Kopfe steigen!

Skulptur von Kaassassuk als Symbol und Mahnung