„Das Einzige, was wir mit Sicherheit wissen, ist, dass das, was geschehen soll, geschehen wird.

Sinn des Lebens

"Das Einzige, was wir mit Sicherheit wissen, ist, dass das, was geschehen soll, geschehen wird."

(Knud Rasmussens Wiedergabe eines Sprichwortes im Buch "Mythen und Sagen aus Grönland", ausgewählt von Jørn Riel, Herausgeber: Forlaget Sesam.)

Das war die Antwort eines alten ostgrönländischen Mannes, der vor vielen Jahren lebte, auf die Frage nach dem Leben und dessen vielen Rätseln. Eine Lebensphilosophie, die von einer Gesellschaft und einem Volk geprägt ist, das einerseits einen starken Glauben an das Schicksal und dessen dunkle Seiten hat, andererseits fröhlich ist und gut Freundschaften aufbaut.

In den Inuit-Gesellschaften gab es keinen Klassenunterschied, und es gab ein eingeschränktes Besitzrecht. Alles außer persönlichen Jagdgegenständen und Kleidung wurde als gemeinschaftlicher Besitz betrachtet. Es gab keine formellen Anführer, und Entscheidungen wurden gemeinschaftlich getroffen.

Der Status hing von den Fähigkeiten ab

Einige wenige Personen verfügten jedoch über einen höheren Status innerhalb der Gemeinschaft. Der Geisterbeschwörer nahm eine wichtige Rolle in der Gesellschaft ein. Er begab sich auf eine Seelenwanderung, beispielsweise zum Herrscher der Winde, Asiaq, oder zur Mutter des Meeres. Ein höherer Status war auch der fruchtbaren Frau, der guten Näherin, dem guten Fänger, dem guten Fischer usw. zuteil. Man konnte sich jedoch nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, sondern musste ständig sein Können unter Beweis stellen. So lange man dies tat, hatte man mehr Einfluss auf die Entscheidungen, die in der Gemeinschaft getroffen wurden und somit mehr Macht.

Der Geisterbeschwörer nahm eine wichtige Rolle in der Gesellschaft ein.

Die Älteren übernahmen in der Regel die Rolle der Erzieher und gaben ihr Wissen an die Kinder weiter.

Großes Verantwortungsbewusstsein

Die Älteren übernahmen in der Regel die Rolle der Erzieher und gaben ihr Wissen an die Kinder weiter. Das Solidaritätsgefühl und das Verantwortungsbewusstsein waren sehr stark ausgeprägt. Falls die Siedlung von Hunger oder Naturkatastrophen heimgesucht wurde, erwartete man, dass die Alten "in die Berge" gingen und ihr Leben der Natur überließen. Man war es der kleinen Gemeinschaft schuldig, ihr nicht zur Last zu fallen. 

Respekt für die Seelen der Verstorbenen

Die vielen Ge- und Verbote in den Siedlungen waren überraschend und verblüffend. Der Glaube an Mythen und Sagen mit ihren mächtigen und grausamen Wesen wurde als Wahrheit und Notwendigkeit betrachtet um das Leben und den Zusammenhalt in der Siedlung zu bewahren. Die Seelen der Verstorbenen konnten sowohl in Menschen, Gegenständen und Tieren weiterleben und diese vereinnahmen.



Der Körper wurde als ein zeitlich begrenzter Aufenthaltsort angesehen. Der Name, den ein Neugeborenes bekam, war nicht ohne Bedeutung, da der Name als die Namensseele eines Verstorbenen angesehen wurde. Dieser Respekt vor den verstorbenen Ahnen existiert noch heute, da viele Grönländer noch immer nach verstorbenen Familienmitgliedern benannt werden.

Der Name, den ein Neugeborenes bekam, war nicht ohne Bedeutung.

Dieser Respekt vor den verstorbenen Ahnen existiert noch heute, da viele Grönländer noch immer nach verstorbenen Familienmitgliedern benannt werden.