Grönlands größere Orte zeigen momentan, wie eine einzigartige grönländische Architektur Form annimmt.

Die Natur auf dem Reißbrett

Grönlands größere Orte zeigen momentan, wie eine einzigartige grönländische Architektur Form annimmt.

Es reicht nicht mehr aus, dass ein Haus seinen Zweck erfüllt. Innovativ soll es sein, markant an die nordische Tradition angelehnt und doch sehr eigenwillig.

Die Grönländer von heute haben, genau wie ihre Vorfahren, eine besondere Verbindung zur Natur, die auf den Reißbrettern der Architekten ihren Einzug hält.

Beim Nordlicht in der ersten Reihe

Am deutlichsten kommt dies in Qinngorput, einer Vorstadt von Nuuk, zum Ausdruck. Die Wohnungen sind groß und hell, Küche und Wohnzimmer gehen ineinander über, die Fenster erstrecken sich vom Fußboden bis zur Decke und auf den Balkonen kann man den Tanz des Nordlichts am Winterhimmel in der ersten Reihe mitverfolgen.

Am Nuukfjord liegt das Viertel Iiminaq mit Einfamilienhäusern: große Holzhäuser in allen Farben mit Rasenflächen und Blumenbeet. Von den großen Wohnzimmerfenstern aus hat man einen Ausblick auf Nuuks Wahrzeichen, Sermitsiaq.

In Nuuk thronen Grönlands "Zwillingstürme" im Jagtvej über der Innenstadt. Hier befinden sich mit die gefragtesten Quadratmeter Wohnraum der Hauptstadt.

In Nuuk thronen Grönlands "Zwillingstürme" im Jagtvej über der Innenstadt. Hier befinden sich mit die gefragtesten Quadratmeter Wohnraum der Hauptstadt.

Die Behausungen der alten Inuit waren einfach und wegen des wechselnden Wetters und der Jahreszeiten unkompliziert zu errichten. 4000 Jahre lang wohnten sie in Torfhütten, in Zelten und ab und zu im Iglu.

Kunterbunte Orte

Die Behausungen der alten Inuit waren einfach und wegen des wechselnden Wetters und der Jahreszeiten unkompliziert zu errichten. 4000 Jahre lang wohnten sie in Torfhütten, in Zelten und ab und zu im Iglu. 

Die Baumaterialien waren Treibholz, Knochen und Fell von den gefangenen Tieren. Hans Egedes Ankunft in Grönland 1721 markierte den neuen Kolonialstil, wobei Holzhäuser aus Skandinavien als Tischler-Bausets nach Grönland geschickt wurden. 

Diese heute farbenfrohe Tradition mit den charakteristischen bunten Häusern nahm damals ihren Anfang. Die Farben waren praktisch, denn sie symbolisierten die Funktion des jeweiligen Gebäudes. Die Handelshäuser waren rot, die Krankenhäuser gelb, die Polizeiwachen schwarz, die Telefongesellschaft war grün und die Fischfabriken waren blau. 

 

Der neue, alte Stil

In den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg herrschten Fertighäuser und Wohnblöcke in den größeren Städten vor, denn es musste Wohnraum für die vielen zuziehenden Einwohner auf einem begrenzten Raum geschaffen werden.

Die Einführung der Selbstverwaltung 1979 brachte einen Wechsel in der Architektur mit sich, bei dem Alt und Neu miteinander vereint wurden. In großen Orten wie Sisimiut, Qaqortoq und der neuen Nuuk-Vorstadt Nuussuaq besann man sich auf die farbenfrohen Holzhäuser aus der Kolonialzeit und erbaute geräumige und helle, zwei- bis dreistöckige Häuser.

Alle Farben wurden verwendet, weshalb nun auch lila, pink und orange in den Straßenzügen zu sehen waren.

Die Holzhäuser erstrahlen heute in allen möglichen Farben, weshalb nun auch lila, pink und orange in den Straßenzügen zu sehen sind.

Die Wellen des Nordlichtes wurden in Katuaqs Architektur aufgenommen.

Eine Klasse für sich

Die Universität Grönlands und das Naturinstitut brechen mit ihren Kastenstrukturen aus den gewohnten Bahnen aus. Drei Naturmaterialien sollen den Campus mit der Natur vereinen.

Die Kulturhäuser "Taseralik" in Sisimiut und "Katuaq" in Nuuk trauen sich, als Originale voller Charakter dazustehen. Die Wellen des Nordlichtes wurden in Katuaqs Architektur aufgenommen, das von den bedeutendsten Künstlern des Landes eingerichtet wurde.

Wunderschöne Schwimmlandschaft

Viele sehen Nuuks Schwimmbad "Malik" als das schönste Schwimmbad in den nordischen Ländern an. Das wellenförmige Dach spiegelt den grönländischen Namen des Gebäudes wieder, denn "Malik" bedeutet "Welle". 

Von ihrer Position an der Wasseroberfläche des Beckens aus haben die Badegäste einen einzigartigen Ausblick auf den Fjord und die Berge, die sich direkt hinter den enormen Panoramafenstern befinden. 

Auch die internationale Spitzenklasse der Architektur schaut gen Norden. Der Stararchitekt Peter Zumthor aus der Schweiz entwirft das kommende Besucherzentrum am Ilulissat-Eisfjord, und in Nuuk hat die dänische Bjarke Ingels Group die Ausschreibung für den Entwurf der zukünftigen Nationalgalerie des Landes gewonnen.

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