MUSSE, MCCARTNEY UND DIE COWBOYS VON NARSAQ

Selbst wenn sie sich danach anhören, sind Musse & McCartney keine Countrysänger aus den USA. Die Namen gehören zu zwei der zahlreichen Pferde, die früher vor den Häusern in Narsaq warteten – wie in jeder anderen Westernstadt, wenn sie gerade nicht auf Trekking gen Bergwelt waren.
 
Und selbst wenn es heute nicht mehr so viele Pferde wie damals in Grönlands landwirtschaftlicher Hauptstadt gibt, identifizieren sich viele Bewohner derart mit Schafzucht, Viehhaltung und Landwirtschaft, dass sie sich selbst als Cowboys von Narsaq bezeichnen – mit einem breiten Grinsen versteht sich.
 
Mit der Zeit sind viele Schafzüchter aus der Stadt weggezogen. Doch sind immer noch fruchtbare und eingezäunte Gärten zu sehen. Die Zäune erinnern daran, dass früher die Schafe hier frei im Ort herumliefen und viele Bauern ihr Gemüse vor den Tieren schützen wollten. Heute sind diese Gärten die Speisekammer der Stadt und ermöglichen den Anbau von Kartoffeln, Rüben, Karotten, Salat und Erdbeeren in größeren Mengen.

Heute sind diese Gärten die Speisekammer der Stadt und ermöglichen den Anbau von Kartoffeln, Rüben, Karotten, Salat und Erdbeeren in größeren Mengen.

  • Narsaq hat 1598 Einwohner.
  • Die Stadt wurde erst 1959 gegründet und ist damit die jüngste Stadt in Südgrönland.
  • Lokale Bootslinien bedienen den Passagierverkehr zwischen u.a. Qassiarsuk, NarsarsuaqQaqortoq und Itilleq bei Igaliku.
  • Das Fährschiff der Arctic Umiaq Line legt auf seiner Route von Südgrönland über die Westküste nach Ilulissat hier an.
  • Der Berg Qaqqarsuaq hinter der Stadt ist reich an beliebten Mineralien, weshalb er Hobbysammler und Geologen anzieht.
  • Das Museum der Stadt berichtet von den Wikingern in Grönland. Ein privater Sammler hat eine Ausstellung zu Mineralien und Steinen aufgebaut, die auch den seltenen Edelstein Tugtubit zeigt.

LANDWIRTSCHAFT UND WIKINGER IN NARSAQ

In den 1960ern wurde bei der Erschließung von Boden für die Landwirtschaft zufällig eine Wikingerruine mitten in der Stadt nahe der Schlachterei entdeckt. Eigentlich hatte man nur vor, weiteres Land für den Gemüseanbau zu erschließen. Doch dann wurden die ersten Teile einer Ruine freigelegt und schnell wurden es immer mehr. Bald hatten die Archäologen einen ganzen Langhof aus der Wikingerzeit direkt in der Stadt freigelegt.
 
Dieser Hof wird als erste Siedlung von Erik dem Roten angenommen, der dann später nach Brattahlid im Tunulliarfik-Fjord weiterzog, wo heute die Siedlung Qassiarsuk liegt. Deshalb feierte man 1982 in Narsaq ganz offiziell die Ankunft der Wikinger in Grönland vor 1000 Jahren.

BERGTOUREN UND MINERALIEN

Die Kombination aus landwirtschaftlicher Nutzung, Wikingergeschichte und der Natur um Narsaq macht den Ort zu einem speziell südgrönländischen Erlebnis.

Wanderungen in die Berge und Täler hinter der Stadt eröffnen dieses wunderschöne Hinterland. Für ausdauernde Wanderer ist die Tour übers Gebirge nach Qassiarsuk – via Schaffarmen und den Eisfjord Sermilik – eine Reise durch typisch südgrönländische Landschaften mit grünen Flusstälern, kahlen Bergen und eisgefüllten Fjorden.

Wenn Sie sich für die grönländischen Mineralvorkommen interessieren, kennen Sie sicherlich den Dyrnæs-Narsaq-Komplex. Diejenigen, die vorher nicht über diese Entdeckungen nachgedacht haben, können aber ebenso gut Ausschau nach Granit, Sandstein, Lava und besonders dem Edelstein Tugtubit halten, dessen Farbenreichtum fasziniert. Vielleicht entdecken Sie an den mineralreichen Hängen ja einen dieser wertvollen Steine.

Die Kombination aus landwirtschaftlicher Nutzung, Wikingergeschichte und der Natur um Narsaq macht den Ort zu einem speziell südgrönländischen Erlebnis.

In Narsaq werden Sie erleben, dass die Einheimischen einen besonderen Wert auf ihre Nähe zur Natur legen.

DIE NÄHE ZUR NATUR

In Narsaq werden Sie erleben, dass die Einheimischen einen besonderen Wert auf ihre Nähe zur Natur legen. Jagdgebiete liegen im Fußabstand zur Stadt, wie es in Süd- und Westgrönland sehr ungewöhnlich ist. Auch sind die Wege zu Fangplätzen zum Fischen an den Fjordufern kurz.
 
Der Monat Mai bewirkt eine Völkerwanderung zu einem besonderen Fluss, der von Narsaq aus fußläufig zu erreichen ist. Hier wird darauf gewartet, dass der erste Saibling des Jahres gefangen wird, der anschließend gebührend gefeiert wird. Dies erinnert an den Start der Kartoffel- oder Weinernte in anderen Teilen der Welt.
 
Saiblinge werden auf dem lokalen Markt hoch gehandelt. Für die Einheimischen ist der Beginn der Fischsaison damit ein wesentlich wichtigeres Ereignis als die Tatsache, dass der bekannte Autor Jørn Riel früher in der Stadt lebte. Sein Haus steht sogar immer noch.