Von Mads Nordlund
Das Schmelzen des dortigen Gletschers ist für viele Politiker zum Mahnmal der globalen Erwärmung geworden. Grönlands Ministerpräsident Hans Enoksen und der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen begleiteten die zweitägige Exkursion durch das ewige Eis. Zum Abschluss ihrer Reise lud die Bundeskanzlerin Hans Enoksen zu einem Gegenbesuch nach Deutschland ein.
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Die Kanzlerin kündigte an, sich nach dem Besuch verstärkt für einen international wirksamen Klimaschutz einzusetzen. Am 23. und 24. August will die Koalition bei ihrer Kabinettklausur in Meseberg den politischen Fahrplan für die nächsten Monate erstellen. Im Mittelpunkt soll ein Klimaschutz- und Energieprogramm stehen, das zu einer Trendwende in der Umweltpolitik führen könnte. Die Kanzlerin will noch in diesem Jahr in ihrer Funktion als G-8-Präsidentin die Weichen für den globalen Klimaschutz stellen. Bei der UN-Klimakonferenz im Dezember in Bali wird sich Deutschland weiterhin für eine Halbierung des weltweiten Kohlendioxidausstoßes bis zum Jahr 2050 einsetzen.
Ilulissats Gletscher Sermeq Kujalleq ist der produktivste der nördlichen Halbkugel. Mit einer Fließgeschwindigkeit von rund zwanzig Meter am Tag produziert der Gletscher jährlich eine Eismenge von 35 Kubikkilometern. Die Eismassen, die sich von dem Gletscher lösen, drücken sich durch den vierzig Kilometer langen und sieben Kilometer breiten Eisfjord bei Ilulissat ins Meer hinaus. Seit 2004 zählt der Eisfjord aufgrund seiner Bedeutung für die Gletscherforschung zum Weltkulturerbe der UNESCO. In den letzten fünf Jahren hat sich der Gletscher allerdings fünfzehn Kilometer zurückgezogen, das ist mehr als in den fünfzig Jahren davor.
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Trotz des schmelzenden Eises bleibt lulissat und die Diskobucht ein beliebtes Reiseziel. Jährlich steigt die Zahl der Touristen, obwohl sich viele mittlerweile die Frage stellen, ob ein Flug nach Grönland den Prozess der globalen Erwärmung nicht zusätzlich beschleunigt. Allerdings steht die Anzahl der Flüge von und nach Grönland in keinem Vergleich zum täglichen Verkehr der großen Flughäfen Europas und den USA. Die Schaffung eines nachhaltigen Tourismussektors und der Schutz der Umwelt bleibt für die Grönländer oberste Maxime. So finden Grönlandreisende in Ilulissat ein Beispiel für die Folgen der globalen Erwärmung. Es bleibt zu hoffen, dass sich durch die Veranschaulichungen des Klimawandels das Bewusstsein für dessen Folgen wächst und sich das Verhalten im eigenen Land ändert.
Während viele Politiker besorgt auf die schmelzenden Eismassen blicken, sieht der grönländische Ministerpräsident Enoksen auch positive Seiten an der globalen Erwärmung: Das zurückgehende Inlandeis und die steigenden Temperaturen ermöglichen den Menschen in Südgrönland bald eine eigene Agrarwirtschaft.